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„Am wichtigsten ist die Persönlichkeit“

Herbert Auer ist seit 2015 Geschäftsführer von Pollmann International. Fotos: Pollmann
Herbert Auer ist seit 2015 Geschäftsführer von Pollmann International. Fotos: Pollmann

Herbert Auer, Geschäftsführer von Pollmann International aus Karlstein/Thaya, über den Andrang auf Lehrstellen und Auslandspraktika, die Aufstiegschancen in dem Waldviertler Weltkonzern und die Möglichkeiten, sich über die Karrierewege bei Pollmann zu informieren.

In welchen Situationen im Alltag haben wir mit Erzeugnissen von Pollmann zu tun, ohne es möglicherweise zu wissen?
Auer: Die Pollmann-Bauteile sieht man nicht, aber man hat immer damit zu tun, wenn man mit dem Auto fährt. Das beginnt beim Aufsperren des Autos, wo unser Türschloss aktiviert wird und geht weiter bis zum Betätigen eines Schiebedachs oder dem Drücken des Startknopfs – unsere Teile kommen schließlich beim Start-Stop-System oder beim Benzinpumpsystem zum Einsatz.

Pollmann bietet Lehrausbildungen in acht Berufen an. Fällt es Ihnen schwer, ausreichend Lehrlinge zu finden?
Wir tun uns hier zum Glück leicht, weil wir in der Region einen sehr guten Ruf als Ausbilder haben. Seit über 70 Jahren bilden wir aus, aktuell haben wir 38 Lehrlinge in Karlstein. Heuer nehmen wir wieder 17 neue Lehrlinge auf. Auf eine offene Lehrstelle kommen bei uns drei Bewerber. Die Lehrlinge erhalten bei uns eine sehr moderne Ausbildung und dafür investieren wir auch viel in diesem Bereich.

Florian Binder / 3. Lehrjahr (Mechatronik)

Im Bild: Florian Binder / 3. Lehrjahr (Mechatronik)

 

Was muss ein junger Mensch mitbringen, um einen Ausbildungsplatz oder einen Job bei Pollmann zu bekommen?
Eine gefestigte Persönlichkeit sowie den Willen und die Begeisterung für den Beruf. Gute Abschlussnoten helfen natürlich auch, aber am wichtigsten ist trotzdem die Persönlichkeit. 

Pollmann bietet den Lehrlingen auch Auslandspraktika an den Standorten in Tschechien, Nordamerika und China an. Was bringt es den Jugendlichen, wenn sie ihren Ausbildungsplatz für eine Zeit lang ins Ausland verlegen?
Jedes Jahr dürfen die Besten ins Ausland gehen – das ist ein großer Ansporn und eine tolle Belohnung für unsere Lehrlinge. Als weltweit tätiges Unternehmen ist es uns auch sehr wichtig, das jungen Leute internationale Luft schnuppern. Die ersten Auslandpraktika haben wir bereits vor sechs oder sieben Jahren ermöglicht, und seitdem haben sich einzelne Mitarbeiter auch nach der Ausbildung dafür entschieden, für eine längere Zeit zu unseren Standorten ins Ausland zu wechseln, weil es ihnen damals so gut gefallen hat. Die Auslandsaufenthalte sind jedenfalls eine Win-Win-Situation für beide Seiten, also die Lehrlinge und den Arbeitgeber.

Roman Zibusch, Leiter der Lehrlingsausbildung

Im Bild: Roman Zibusch, Leiter Lehrlingsausbildung

 

Am tschechischen Standort, wo Pollmann bereits über 500 Menschen beschäftigt, wird das österreichische Modell der Lehrausbildung angewendet. Was sind die Unterschiede im Vergleich zu tschechischen Ausbildungsmodellen?
Eine klassische Fachkräfteausbildung wie in Österreich gibt es dort leider nicht. Derzeit herrscht in Tschechien zudem ein sehr großer Fachkräftemangel, daher ist es sehr wichtig, dass wir unsere Leute dort selbst ausbilden. Das funktioniert auch sehr gut, nur leider ist unsere Form der Lehrausbildung in Tschechien insgesamt noch nicht so anerkannt wie in Österreich.

Welche Aufstiegsmöglichkeiten hat man nach einer Lehrausbildung bei Pollmann?
Wir haben einige ehemalige Lehrlinge, die heute Abteilungsleiter sind und 30 bis 40 Mitarbeiter unter sich haben. Für den Aufstieg sind Einsatz und Motivation am wichtigsten, da braucht man nicht unbedingt eine Matura oder einen Studienabschluss.

Sebastian Nosko, 3. Lehrjahr (Elektrotechniker)

Im Bild: Sebastian Nosko, 3. Lehrjahr (Elektrotechnik)

 

Stichwort Matura – gibt es auch die Möglichkeit zur „Lehre mit Matura“? Wenn ja, wie wird dieses Angebot angenommen?
Aktuell haben wir fünf Lehrlinge, die eine Lehrausbildung mit Matura machen. Wir haben damit sehr positive Erfahrungen gemacht, denn nach dem Lehrabschluss sind die Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen noch viel größer. Das Interesse seitens der Lehrlinge steigt daher von Jahr zu Jahr.

Noch immer entscheiden sich zu wenig Mädchen für eine technische Lehrausbildung. Wie sieht das bei Pollmann aus und welche Erfahrungen hat man dort mit weiblichen Lehrlingen?
Bei uns ist ein Drittel aller Lehrlinge weiblich und wir haben mit unseren Lehrmädchen sehr gute Erfahrungen gemacht. Ein Drittel ist uns aber immer noch zu wenig. Deswegen beteiligen wir uns auch an Aktionen wie dem Girls Day, um konkret Schülerinnen anzusprechen. Leider ist es immer noch ein gesellschaftliches Thema, dass sich zu wenig Mädchen für technische Berufe interessieren. Dabei geht es gerade in unserem Betrieb längst nicht mehr um reine körperliche Arbeit, sondern vielmehr um das Programmieren und Bedienen von Maschinen.

Celina Edlinger / 1. Lehrjahr (Kunststoffformgebung & Metalltechnikerin)

Im Bild: Celina Edlinger / 1. Lehrjahr (Kunststoffformgebung & Metalltechnikerin)

 

Wo können sich Jugendliche über die Ausbildungsmöglichkeiten bei Pollmann informieren?  
Wir veranstalten sehr oft Infoabende, bei denen zuletzt über hundert Interessenten gekommen sind. Außerdem bieten wir Schnuppertage an und man kann sich natürlich auf unserer Webseite und auf Facebook informieren. Wir sind auch sehr präsent an den Schulen in unserer Region und laden immer wieder Schulklassen ein. Und wir machen heuer am 15. Juni wieder bei den Industrietagen mit.

Gutes Stichwort – können Sie schon verraten, worauf sich die Besucherinnen und Besucher am 15.Juni bei Pollmann in Karlstein freuen dürfen?
Unsere Gäste erwartet ein umfangreicher Einblick in die Automobilzuliefer-Industrie – mit Themen wie Hightech-Produktion bis Robotik. Ein Highlight wird sicher die Lehrlingsausbildungsstätte sein, wo unsere Lehrlinge ihre eigenen Projekte präsentieren.

 

 

Pollmann
Pollmann ist ein weltweit agierendes Familienunternehmen im Automotive-Segment mit 130 Jahren Erfahrung. Das Unternehmen mit Standorten in Karlstein, Tschechien, China und Nordamerika produziert unter anderem Kunststoff-Metallverbindungen für Autoschlösser und Schiebedächer. Pollmann International beschäftigt heute mehr als 1.700 Mitarbeiter, davon 630 in Österreich, und erzielte 2017 einen Umsatz von mehr als 170 Millionen Euro.

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13. February 2018

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